Schriftzug: The Midnight BBS

Das Fidonet®

Hinweis: Ich selbst bin leider kein Mitglied des Fidonet mehr. Daher kann ich Fragen wie "Wie komme ich ins Fidonet" nicht beantworten. Am Ende der Seite stehen daher Links auf weitere fidobezogene Seiten, wie z.B. "Was ist Fido".

Am Anfang war die Mailbox...

In den 70er und 80er Jahren verbanden zuerst nur Freaks und Hacker ihren Computer durch ein Modem (Kunstwort aus Modulator/Demodulator, das ein Gerät bezeichnet, das die Bits des Computers in verschieden hohe Töne "moduliert" und ankommende Töne in Bits "demoduliert") mit der Telefonleitung. Damit konnten sie andere Computer erreichen, z.B. um einem Freund "mal eben schnell" eine Datei in seinen Computer zu schicken. Dessen Rechner mußten natürlich auch durch ein Modem mit der Telefonleitung verbunden sein.

Einen Rechner, mit dem man schon auf "professionellere" Weise Daten austauschen konnte, weil es mehr erlaubte als einfach nur Dateien zu schicken, nennt man Mailbox. Wenn man einen solchen Rechner anwählte, konnte man mit einfachen Befehlen, ähnlich wie am DOS-Prompt, die Mailbox steuern. Das Hauptanwendungsgebiet bei diesen Institutionen war das Schreiben von elektronischer Post (e-mail) an andere Benutzer (im Jargon: User), daher auch der Name: Mailbox läßt sich wohl am besten mit "Postfach" übersetzen.

Zurück nach oben

Der Gründer

Tom Jennings hatte 1984 keine Lust mehr, jedesmal in die Mailbox seines Freundes John Madill anzurufen, nur um eine kurze Nachricht zu hinterlassen. Stattdessen teure Telefongespräche quer durch die Staaten (von San Francisco nach Baltimore!) zu führen, war auch nicht ganz befriedigend.

Fido Dog with DiscEr wollte den Austausch von elektronischer Post automatisieren. Sein treuer Hund Fido (lat.: Treue) stand Pate bei der Namengebung für das Programm, das Tom Jennings für diesen Zweck entwickelte. Dieses Programm konnte zuerst nichts, als Nachrichten (Mail) in ein "Paket" zu packen, bei dem Zielsystem, welches auch Fido laufen haben mußte, anzurufen und das Paket zu verschicken. Fido wurde nach und nach immer wieder verbessert und um Funktionen erweitert. Auch die Anhängerschaft des Programmes wuchs. In wenigen Monaten war das FidoNet®, welches zunächst nichts weiteres war als eine Anwendergemeinschaft des Programmes Fido, auf über 200 Mitglieder gewachsen.

Das rasche Anwachsen des FidoNet machte eine Organisation notwendig. Ein paar findige Typen in St. Louis erklärten sich bereit, eine Liste der Nodes (engl.: Knotenpunkte), das heißt der Fido-Mailboxen, zu erstellen und zu warten. Jeder Nodeanwärter mußte zuerst Fido auf seinem Rechner zum Laufen bekommen und als Beweis eines laufenden Fido-Systems seinen Aufnahme-Antrag mit seinem Namen und einigen Angaben zu seiner Mailbox via Fido an den "Organisator" schicken. Nach ein paar Tagen bekam der neue Node dann eine Antwort zugeschickt, - wieder via Fido, um auch die Empfangsfähigkeiten des neuen Systems zu testen - die dann seine neue Nodenummer (zu der Nodenummer und der Adressierung komme ich später) enthielt. Der neue Node wurde in die Liste, die sogenannte Nodelist, eingetragen, und diese Liste wurde über das FidoNet verteilt. Die Aktualität dieser Liste war unbedingt nodewendig, äh notwendig, denn nicht selten änderte sich die Telefonnummer eines Fido-Systems und die Anrufer mußten dem sehr verschlafenen und sehr verärgerten neuen Besitzer der alten Telefonnummer erklären, was sie denn nachts um 4 Uhr von ihm wollten. Inzwischen wird diese Liste wöchentlich aktualisiert. Neben der Nodelist hat sich auch die Policy (engl.: Politik), sozusagen die Verfassung des FidoNet, bis heute gehalten.

Zurück nach oben

Die Verfassung:

In der Policy wird geregelt,

Zurück nach oben

Der Node

Eine Mailbox samt Betreiber, der in der Nodelist eingetragen ist, nennt man Node. Die verschiedenen Nodes kann man über ihre Fido-Adresse erreichen. Diese Fido-Adresse ist ein Gebilde aus Zahlen, die wie folgt aufgebaut sind:

2:

24

49/

240

Zone
2:
Europa
Region
24:
Deutschland
Netz
2449:
MS/OS
Node
240:
The Midnight BBS

Der Node ist das niedrigste Glied in der Verteilerkette des Fido. Er bietet seinen Usern einige Einrichtungen des Fido: die fidotypische Form der e-mail: Die Netmail und die Echomail (dazu später). Will ein User FidoNet besonders komfortabel nutzen, läßt er sich von einem Node zum Point machen. Er unterscheidet sich dann vom normalen User dadurch, daß er eine eigene Fidonet-Adresse hat, nämlich die Adresse des Nodes, an die, mit einem Dezimalpunkt (Point) getrennt, die Pointnummer angehängt wird, z.B.:

2:2449/240.13 wäre die Adresse des Points 13 der Fido-Mailbox 2:2449/240 (The Midnight BBS) im Gebiet Münster/Osnabrück, in Deutschland, in Europa. Bei Stammtischen hießen die fidoianischen Gäste bei den Wirten demnach auch immer "die mit den Nummern".

Zurück nach oben

Die Struktur

Strukturdiagramm des FidonetWie eben gesagt wurde, ist FidoNet hierarchisch strukturiert. Es ist, einigermaßen geographisch, in Zonen, Regionen, Netzwerke und Hubs eingeteilt. Jedem dieser Einteilungen steht ein (meistens gewählter) Koordinator vor.

FidoNet international und der IC (International Coordinator)

Der Internationale Koordinator ist der eigentliche Fido-Obermotz. Er sorgt dafür, daß das Fido im Ganzen möglichst reibungsarm läuft. Er ist der Herr der Nodeliste. Seine Aufgabe ist es, Streitigkeiten auf internationalem Fido-Gebiet zu schlichten. Er wird von den ZCs (aus ihrer Mitte, daß heißt der IC ist immer auch gleichzeitig Koordinator einer Zone) gewählt. Zur Zeit (Februar 1997) ist dieser Posten nicht besetzt, da der letzte Amtinhaber aus Frust vor der ihm entgegengebrachten Feindschaft Anfang 1996 zurücktrat und die Wahl eines neuen erst noch ansteht.

Die Zonen und ihre ZCs (Zone Coordinators)

Das FidoNet ist in 6 Zonen unterteilt. Jede Zone ist ein Kontinent. •Zone 1 ist Nordamerika, •Zone 2 ist Europa (und etwas mehr, z.B. Arabien, Israel, einige Teile von Westasien), •Zone 3 Australien und Ozeanien, die Zonen 4 ist Südamerika, Zone 5 Afrika und •Zone 6 ist Asien. Ein Zonen-Koordinator ist verantwortlich für eine der Zonen. Er verwaltet die Nodelist für seine Zone und muß Streitigkeiten der Nodes innerhalb seiner Zone schlichten. Es fällt auch in seine Aufgabe, neue Regionen einzutragen.

Alle ZCs zusammen bilden mit dem IC zusammen den Rat der ZCs, das oberste Gremium im FidoNet. Sie werden jährlich von den RCs ihrer Zone gewählt. Der derzeitige ZC von Europa ist Ward Dosche, ein Belgier.

Die Regionen und die RCs (Region Coordinators)

Jede Zone ist in mehrere Regionen eingeteilt. In Europa entspricht jede Region einem Staat. So ist Deutschland z.B. die Region 24. Schweden hat die Regionennummer 20, Großbritannien die Region 25, Region 28 ist Holland, Region 30 gehört zur Schweiz, Region 31 ist österreich. Die tschechische und die slowakische Republik teilen sich die Region 42, relativ neu ist Rußland als Region 50. Die Aufgaben des RCs, des Verantwortlichen für eine Region, liegen beim Warten des Nodelistensegmentes für seine Region, beim Schlichten von Streitigkeiten, beim Anlegen neuer Netzwerke und beim Verteilen der Netmail für sein Gebiet. Hierbei hat sich Demokratie noch nicht ganz durchgesetzt. In Deutschland wird der RC jährlich von den Nodes der Region 24 gewählt, verbreiteter ist jedoch das Einsetzen durch den ZC. Derzeitig ist Alex Woick der RC Deutschland.

Die Netzwerke (Netze), die NCs (Network Coordinator) und die Hosts

Jede Region ist in eine Vielzahl von Netzen eingeteilt. Versuche, die Netze in Deutschland nach Bundesländern einzuteilen, scheiterte an der Größe dieser Netze. Das ehemalige Netz 243 (bei der Angabe des Netzes nimmt man immer die Region dazu), welches Nordrhein-Westfalen bedeckte, war das zweitgrößte Netzwerk des (gesamten internationalen) Fido und zerfiel hinterher in viele kleinere Netze. Die Mailboxen in Ibbenbüren gehören nun dem Netz 2449 an, welches das Gebiet Münster/Osnabrück umfaßt (früher auch noch Porta Westfalica und Ostwestfalen/Lippe, die sich jedoch 1996 abspalteten). Nach Definition der Policy ist ein Netz das Gebiet einer großen Stadt und der Umgebung.

Innerhalb eines Netzwerkes sind die Aufgaben zwischen dem NC und dem Host aufgeteilt. Der Host ist für die technische Seite des Netzes (die Netmail) verantwortlich und der NC für die menschliche, politische Seite. Der NC vertritt das Netzwerk gegenüber der Region, schlichtet Streitigkeiten innerhalb des Netzwerkes und erstellt die Nodeliste für sein Netzwerk. Er prüft, welche Nodes aufgenommen werden sollen. Sie werden jährlich von den Nodes des Netzwerks gewählt (oder vom RC eingesetzt/ersetzt). Das Netz Münster/Osnabrück wird zur Zeit vom gerade knapp gewählten Nobert Doetsch aus Osnabrück koordiniert.

Die Hub-Bereiche und die "Hubs" (Hub Coordinators)

Wenn ein Netzwerk groß ist (mehr als eine mittelgroße Großstadt und die Vororte), wird es meist in mehrere Hub-Bereiche unterteilt. Diese Hub-Bereiche unterliegen eigentlich keiner geographischen Ordnung mehr, sie müssen nur innerhalb des Netzes liegen. Ibbenbüren ist z.B. gespalten zwischen Hub-Bereich 2449/150 (Osnabrück 1), Hub-Bereich 2449/400 (Osnabrück 2) und Hub-Bereich 2449/200 (Rheine).

Die Hub-Bereiche werden von einem Hub verwaltet, der praktisch NC und Host zusammen von einem kleinen Netz innerhalb eines größeren ist. Der Hub wird in unregelmäßigen Abständen von den Nodes im Hub-Bereich gewählt (oder vom NC eingesetzt).

Die Fido-Mailbox, der Fido-Node und der Sysop

Hmmmm..... den hatten wir doch schon mal. :-) Allerdings hat der nun echt nichts mehr mit geographischer Einteilung zu tun. Ein Node ist der unterste Verteiler im Fido. Dem Sysop fällt praktisch nur die Aufgabe zu, seinen Node instand zuhalten und über mögliche Rufnummernänderungen den NC oder Hub zu benachrichtigen. Per definitionem ist der Node nur verpflichtet, während einer bestimmten Zeit (3:30h-4:30h morgens) mit Fido-kompatibler Technologie erreichbar zu sein.

Eine Mailbox wird auf Antrag ihres Sysops vom NC oder Hub zu einem Fido-Node gemacht. Ein NC ist praktisch verpflichtet, einem Nodeantrag auch nachzukommen, wenn der Anwärter die technischen Voraussetzungen erfüllt. Nix wählen hier :-) - bzw. insofern, dass sich jeder Point aussuchen kann, bei welchem Node er unterkommen will, besteht absolute Freiheit.

... und der Point, der Mailbox-User

Will ein User einer Mailbox, die ein Fido-Node ist, das FidoNet komfortabler nutzen, kann er sich vom Sysop zum Point machen lassen. Ein Point ist nach dem Wortlaut der Policy kein Mitglied des FidoNet - aber das wollen wir mal nicht so eng sehen, sagen wir einfach Fidonutzer zu ihm. Auch die neue Region-Policy (dazu später) sieht in jedoch nicht als stimmberichtigt vor.

Zurück nach oben

Was FidoNet bietet und wie das funktioniert

Das Fido wird eigentlich ausschließlich zur übermittlung von Nachrichten verschiedener Art gebraucht. Ursprünglich gab es nur...

Die Netmail und ihr Routing

Was Tom Jennings mit seinen Freunden des Fido austauschte, nannte er Netmail (Netzbrief). Es ist eine Nachricht, die vom Absender auf dem kürzesten Weg zum Adressaten geht. Diese Nachricht wird mit einem speziellen Programm, einem Editor speziell für Fidomail erstellt. Sie ist teils binär kodiert, teils ASCII pur. Der binäre Teil der Netmail enthält die Fido-Adresse des Absenders und die des Adressaten samt ihren Namen, der ASCII-Teil enthält den eigentlichen Nachrichtentext. Die Netmail erreicht auf dem streng hierarchischen Weg (Routing) des Fidonet ihren Adressaten:

Grafik zum Netmail-Routing

Nehmen wir mal das Beispiel, Node #1 möchte Node #2 eine Netmail schicken. Zuerst schreibt er mit seinem Nachrichteneditor eine Netmail an die Fido-Adresse von Node #2. Dann läßt er diese Netmail in das Paket an Hub #1 packen. Dann schickt er die Netmail an Hub #1, indem er mit seinem Fido-Programm bei Hub #1 anruft. Bei diesem Anruf, bekommt er auch ein Paket, das bei dem Hub #1 für ihn liegt. Einen solchen Anruf, bei dem man die beim Hub liegenden Pakete abholt, nennt man pollen (to poll : einen Wahlzettel abgeben?) oder einen Poll. Als Node pollt man meistens täglich bei seinem Hub. Hub #1 packt die empfangene Netmail in das Paket für Node #2. Dieser bekommt es dann, wenn er pollt. Sein Fido-Programm entpackt die Netmail wieder aus dem Paket und er kann sie mit einen speziellen Programm anzeigen lassen.

Ist der Adressat der Netmail nicht im eigenen Hubbereich, sondern z.B. im Hubbereich des Hub #2, dann geht es etwas anders: Node #1 schreibt die Netmail an Node #3. Er packt sie in das Paket an Hub #1. Er pollt. Hub #1 packt die Netmail in das Paket von dem Host des Netzes. Er pollt. Der Host packt die Netmail in das Paket von Hub #2. Hub #2 holt sich das Paket beim Poll ab. Er packt die Netmail in das Paket von Node #3. Node #3 pollt und bekommt damit auch die Netmail. Diesen ganzen Weg über die Hubs und den Host nennt man Routing (Route = Pfad, Weg). Da die Netmail immer nur einen Schritt weiter kommt, wenn irgendjemand pollt, kann es schon 1 oder 2 Tage dauern, bis die Netmail vom Verfasser zum Adressaten gekommen ist. ähnlich läuft das Routing an Nodes außerhalb eines Netzwerks eben über den Region Coordinator, was dann dementsprechend länger dauert.

Schneller geht das ganze Routing natürlich, wenn man die Netmail direkt an den Empfänger-Node schickt (Crashmail).

Und dann gibt's noch: Die Echomail

Das Fidonet bietet mehrere "Echos" an. Ein Echo läßt sich am besten mit einem "schwarzen Brett" vergleichen, an das jeder eine Nachricht heften kann. Im Fidonet werden die Nachrichten Echomail genannt. Die Echomail wird auch mit dem Fidomail-Editor geschrieben. Jeder Node, der ein Echo "abonniert" hat, bekommt alle Nachrichten, die in dieses Echo hineingeschrieben werden. Im Fido werden die verschiedensten Echos angeboten. So gibt es zum Beispiel die Echos

•FLEA.GER (FLEA[market] = Flohmarkt, GER[many] = Deutschland). Hier können die Echoteilnehmer wie auf einem Flohmarkt Sachen verkaufen und ankaufen oder tauschen. Dazu schreibt man einfach, was man sucht oder anzubieten hat in eine Echomail und bekommt ziemlich sicher ein Angebot.

•REQUEST.DOS.GER, REQUEST.WIN.GER, REQUEST.OS2.GER, REQUEST.ETC.GER (Request = Anfrage) ähnlich der FLEA werden hier allerdings Dateien (für die speziellen Betriebssysteme DOS, Windows, OS/2 und was es sonst noch so gibt) zum Download gesucht und angeboten.

•SPIELE.GER Hier finden heiße Diskussionen über Spiele statt und der eine oder andere Tip wird gegeben.

So gibt es noch Echos zu anderen diversen Hobby-Themen wie die •STARTREK.GER, die STARWARS.GER, die ZEITREISEN.GER, die •BIER.GER, •MOVIE.GER, •TV.GER aber auch eine SCHULE.GER, eine •PHYSIK.GER, eine •INFORMATIK.GER, HISTORY.GER, LATEIN.GER und ähnliche wissenschaftliche Echos. Daneben gibt es auch reine Laber-Echos und einige organisatorischen Echos. Auch gibt es Echos, in denen über bestimmte Programme diskutiert wird, z.B. über MS-DOS, OS/2 oder Windows, über Netzwerk-Software, in welchen auch Hilfestellung zu den Programmen gewährt wird. Es gibt praktisch nichts, wozu es kein Echo gibt.

Diese Echos sind eigentlich das, was Fido auszeichnet. Der Umgangston sollte in all diesen Echo eigentlich freundlich sein. Darüber, daß das auch eingehalten wird und daß auch das Thema des Echos eingehalten wird, wachen Moderatoren, die von den Teilnehmern eines Echos gewählt werden.

Aber gerade in den organisatorischen Echos (und leider auch besonders im Witze-Echo •JOKES.GER) ist der Umgangston manchmal rauh und beleidigend und einige Echoteilnehmer uneinsichtig. Das geht manchmal so weit, daß das Netz sich den Beinamen "FightoNet" eingehandelt hat.

Nachtrag Juli 2005: Die Links verweisen auf die Newsgroups, in die die Fido-Echos gespiegelt wurden. Einige Fido-Echos sind aber zu Anbietern von Mailing-Listen abgewandert. So ist das ehemalige internationale Fido-Echo "DEUTSCH", in dem ursprünglich ehemals in Deutschland stationierte US-Soldaten ihre Sprachkenntnisse wachhielten, zu yahoogroups unter dem Name •Deutsche_Freunde umgezogen.

Die Software

Tja, das Programm Fido wird mittlerweile zwischen den FIDOianer als Antiquität gehandelt. Heute wird stattdessen "fidokompatible Software" benutzt. Was diese Software können muß, wird vom FidoNet Technical Standard Comittee FTSC festgelegt. Was die Programme wirklich können, übersteigt die Anforderungen meist bei weitem. Aber es gilt immer noch: Um ins FidoNet aufgenommen zu werden, muß man sie erst mal zum Laufen bekommen.

Der offizielle "technische Fortschritt" stagniert eigentlich im Fidonet, das FTSC hat seit Jahren keine neuen Richtlinien mehr herausgebracht. Die Innovationen kommen hauptsächlich von Hobby-Software-Klempnern, Informatik-Studenten und -Schülern und nebenberuflichen Programmiereren, sodaß das Fidonet trotz allem nicht stillsteht. Einiges, wozu man heute im WWW Zusatzprogramme braucht (z.B. Wiederaufnahme eines fehlgeschlagenen Downloads), war im Fidonet übrigens schon im Standard enthalten.

Zurück nach oben

Demokratie im Fidonet, Lob und Kritik

Oftmals gefordert, oft abgelehnt, inzwischen in Ansätzen durchgesetzt. Die hierarchische Struktur des Fidonet stammt noch aus einer Zeit, als das Fidonet noch klein und überschaulich war. Inzwischen sind viel mehr Mitglieder (Nodes) hinzugekommen, die auch mitbestimmen wollen. Der letzte vom ZC ohne Abstimmung eingesetzte RC Deutschland wurde 1994 durch einen von den NCs gewählten abgesetzt. Seitdem werden die Koordinatoren in Deutschland und Europa eigentlich nur noch gewählt. 1996 wurde von den Nodes Deutschlands eine neue Policy für Deutschland verabschiedet. Diese "Region-Policy" ersetzt zwar nicht die schon vorher angesprochene Policy 4.07 aus dem Jahr 1989, soll diese jedoch ergänzen. Wahlen von Koordinatoren, die Rechte der Nodes und Points, sowie der Weg bei Beschwerden sind durch diese geregelt.

Das Dokument stieß bei allem Lob auch auf einige Kritik. So sei z.B. nun alles "über-organisiert"; andere meinen, man sei zu inkonsequent vorgegangen, die gewöhnlichen Points hätten immer noch zuwenig Rechte. Inwieweit sich Demokratie in einem hauptsächlich technisch organisierten "Verein" (die wirkliche Rechtsform ist ungeklärt) überhaupt realisieren lassen kann, ist nicht so einfach zu klären, inwieweit sind Wahlen geheim, wenn die Wahlzettel als Dateien übertragen werden? Die Gefahr des Wahlbetrugs ist ungleich höher als bei Briefwahlen. Jedoch wurden Mittel und Wege entwickelt, die meisten Betrugsmomente zu kompensieren. Auch dem Echo-System wird einiges entgegengesetzt, Moderatoren (die auch nicht in jedem Echo demokratisch gewählt werden) seien eigentlich unnötig, was auch in einigen unmoderierten Echos vorgeführt wird. Die Mitglieder des Maus-Netz z.B. kommen seit Jahren ohne solche Moderatoren aus. In einigen unmoderierten oder "lasch" moderierten Echos ist ein angenehmes "Mitmischen" jedoch unmöglich, da ein riesiges Chaos herrscht.

Zurück nach oben

Ein wenig Statistik zum Schluß

Im Jahr 1997 nahmen etwa 35000 Nodes am Fido teil, 20000 davon in Europa und ca. 4000 in Deutschland. Die Nodeliste umfasste mehr als 3 Megabyte. Etwa 20000 eingetragene Points gab es in Deutschland. Die Zahlen waren seit 1997 jedoch durch die Konkurrenz und große Verbreitung des Internets rückläufig.

Trotzdem war das FidoNet das größte, ausschließlich privat betriebene Netz der Welt. Allerdings ist der Altmeister, der Gründer Tom Jennings längst kein Mitglied des FidoNet mehr.

Quellen:

- Tom Jennings: The Fidonet - History and Operation
- Fido Policy 4.07
- FidoNet Nodelist

Weitere Seiten über das Fidonet®

•FidoNet (offizielle Homepage)
http://fidonet.fidonet.org/

•Fidonet online Portal der Charleston BBS
http://www.fido-online.de/

•FidoNet Technical Standards Committee (FTSC) - Fidonet-Technik
http://www.ftsc.org/

•Unkis Fido-Seite
http://www.unki.de/fido/index.htm

•Was ist Fido (Leitfaden, Tools, Erfahrungen)
http://www.was-ist-fido.de/


2. überarbeitete Auflage Januar 1997, Ibbenbüren. HTML-Fassung Dezember 1997 (Änderungen Juli 1998). © 1997-2008 by Peter Felix Schuster. Der Autor ist kein Mitglied des Fidonet mehr. Dieser Text darf nur mit Nennung des Autors Peter Schuster und nach R?cksprache mit ihm - unentgeltlich und unverändert - vertrieben werden. Kommentare höchst erwünscht per E-Mail. Fido®, FidoNet® and the dog with diskette are registered marks of Tom Jennings and Fido Software. Danke an den Sysop der Mailbox "The Midnight BBS" für die freundliche Unterstützung :-), sowie für Lob und Kritik anderer Fidonet-Teilnehmer. Originaladressen dieser Seite im Netz: http://www.ussmidnight.de/fido.htm.

GOWEBCounter by INLINE
Besuche seit dem 07.01.98